Antwort auf Beitrag in Neue Zürcher Zeitung: «Wir müssen Gas geben»

NZZ, 8. April, „Wir müssen Gas geben“. Christian Amsler, Präsident der EDK ist ein Anhänger von Tagesstrukturen, die an die Volksschule gekoppelt sind, bedarfsgerecht und nicht flächendeckend. Gleichzeitig wird in dem Artikel die Gretchenfrage gestellt, ob ein Systemwechsel hin zu Ganztagesschulen erfolgen muss.
Den NZZ-Artikel finden Sie hier: www.nzz.ch/aktuell/schweiz/wir-muessen-gas-geben-1.18059823

Die ThurgauerZeitung hat mich zu meiner Meinung zu diesem Vorschlag befragt. Hier die Antworten:
TZ: Was halten Sie von der Forderung von Herrn Amsler?
Verena Herzog: Liest man den NZZ-Artikel genau, stellt man fest, dass Herr Amsler nicht einen Systemwechsel, sondern eine Angebotserweiterung vorschlägt. Tagesstrukturen sind dort, wo sie benötigt werden, nach lokalen Bedürfnissen durch die lokalen Behörden sinnvollerweise anzubieten.
Die Wahl des Systems bleibt aber in der Verantwortung der Eltern und soll nicht zu einem Diktat des Staates werden. Eine Selbstverständlichkeit ist die finanzielle Beteiligung der Eltern an den Mehrkosten durch Tagesstrukturen. Bundesgelder sind völlig fehl am Platz.
Sehen Sie im Thurgau Handlungsbedarf, braucht es mehr Tagesstrukturen?
An den meisten Orten funktioniert die qualitativ beste, familiennahe Fremdbetreuung, durch Grosseltern, Nachbarn, Tagesmütter, Tagesfamilien und Kinderhorte etc.. Mittagstische sind vielerorts vorhanden. Ein Blick ins Internet zeigt, dass längst nicht alle Angebote genutzt werden, doch kann es sein, dass in einzelnen Orten  des Kantons durchaus noch Handlungsbedarf für Tagesstrukturen besteht.
Ist ein Systemwechsel in den Schulen nötig?
Ein Systemwechsel auf obligatorische Tagesschulen ist falsch. Die Erziehung der Kinder ist und bleibt in einem liberalen Staat in der Verantwortung der Eltern und ist Privatsache. Durch Tagesschulen  würde die Hauptverantwortung an die Schule, sprich Pädagogen, übertragen. Ein Wechsel zu diesem früher in der DDR praktizierten Umerziehungsmodells verstösst gegen unser freiheitliches Selbstverständnis.
Unterscheidet sich der Thurgau hier von anderen Kantonen?
Der Thurgau hat nicht den gleichen Bedarf wie Zürich. Jede Region hat bedingt durch die Strukturen ihre eigenen Ansprüche. Dies zeigt auch das Abstimmungsresultat des Familienartikels, welches der TG mit über 58% klar ablehnte.
Hat das Volk mit dem Nein zum Familienartikel nicht entschieden, dass es hier keine staatlichen Lösungen wünscht?
Natürlich, das NEIN zur kostentreibenden Bundesbevormundung ist deutlich genug. Das klare Resultat im Thurgau zeigt, dass die lokalen Behörden die Anliegen ihrer Einwohner kennen, ernst nehmen und gut erfüllt haben.

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